Diesen Hilferuf bitte nicht übersehen!
Heute ein wirklich schwieriges Thema - aber eines, das in den letzten Jahren in den Kinderarztpraxen immer mehr Raum einnimmt. Und deshalb ist es wichtig, es hier zu besprechen: Es geht um den Schulabsentismus.
Schulabsentismus bedeutet, dass ein Kind oder ein(e) Jugendliche(r) der Schule fernbleibt - entschuldigt oder unentschuldigt. Oder in abgeschwächter Form äußerlich anwesend ist - jedoch in innerer Emigration, sodass das Unterrichtsgeschehen komplett an ihm oder ihr vorbeigeht.
Klar ist, wenn es zu solch einem Verhalten kommt, ist dies ein Hilferuf. Dann hat das Kind keine andere Lösungsstrategie für irgendwelche Sorgen und Ängste, als mit diesem Verhalten zu reagieren. Und deswegen ist es bei Schulabsentismus extrem wichtig, dass es frühzeitig zu einer Vernetzung von Eltern, Schule und Kinderarzt kommt. Denn es muss schnell interveniert werden. Je länger solch ein Schulabsentismus anhält, umso mehr läuft man Gefahr, dass es chronisch wird. Und dann sind die Prognosen für die weitere Entwicklung und das weitere Leben wirklich schlecht.
Das Problem ist, dass Eltern dies oft gar nicht mitbekommen. Manchen ist überhaupt nicht klar, dass ihr Kind nicht zur Schule geht. Oder Eltern unterstützen dies indirekt dadurch, indem sie dem Kind oft Entschuldigungen für Fehltage ausstellen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Schule rasch reagiert, wenn Kinder auffällig häufig (unentschuldigt) fehlen.
Dann ist es Aufgabe der Schulen, rasch das Gespräch mit den Eltern zu suchen - und diese sollten dann auch genauso rasch ihre Kinderärztin oder ihren Kinderarzt konsultieren. Dann kann und muss zusammen nach Lösungswegen geschaut werden. Die Fragen lauten dann: Wie kann man dem Kind helfen - und ggf. auch dem Familiensystem?
Die Hauptbotschaft geht also an Eltern UND Schulvertreter: Wenn Fehltage auffällig zunehmen - bitte nicht ignorieren. Sondern das Problem erkennen und zusammen mit uns Ärzten nach Lösungen suchen. Was wahrlich nicht immer einfach ist.
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